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NATUR und Land - Heft Nr. 1-2010

01.01.2010 Natur und Land von Ingrid Hagenstein

Moore - und ihre Rolle im Klimaschutz

Natur und Land Cover Heft 1-2010

Der Klimawandel hält mit riesen Schritten Einzug in viele Berei-che des Lebens. Auch wenn in Mitteleuropa die Lebensführung davon kaum beeinflusst scheint, sind die Auswirkungen an den Polen und in der südlichen Hemisphäre bereits deutlich wahr-nehmbar: Menschen und Tiere in den heißen Zonen der Erde spü-ren die Klimaerwärmung in Form von Wasser- und Nahrungs-mangel, aber auch von vermehrten Wetterkapriolen bereits mas-siv. Mit verschiedensten Lösungsansätzen wird darauf reagiert – von der Reduktion der Treibhausgase mittels erneuerbarer Ener-gieformen, Agrotreibstoffen oder flächendeckender Wärme-dämmung. CO2-Einsparung auf allen Ebenen ist hierbei das Ge-bot der Stunde. Die Hoffnung liegt zuallererst in den Wäldern – wider besseres Wissen, wie manche Wissenschafter meinen. Denn nicht die Wälder, sondern die Moore sind nach deren Ein-schätzung der größte terrestrische Kohlenstoffspeicher der Erde. Und diese Moorflächen – Torf wächst nur 0,5-1 mm pro Jahr - schwinden weltweit rapide – so wurden und werden die Ölpalm-plantagen Indonesiens bevorzugt auf Moorflächen angelegt. In-nerhalb der EU (Finnland und Schweden) gibt es sogar Bestre-bungen, Torf für Heizzwecke zu kategorisieren, da es für diesen nachwachsenden (!) Rohstoff höhere Förderungen gibt als für Kohle. Was die Moore für unser Klima bedeuten und was nötig ist zu tun, um die schleichende Zerstörung zu verlangsamen oder zu verhindern, wird das Thema dieser Ausgabe sein.

Der Klimawandel hält mit riesen Schritten Einzug in viele Berei-che des Lebens. Auch wenn in Mitteleuropa die Lebensführung davon kaum beeinflusst scheint, sind die Auswirkungen an den Polen und in der südlichen Hemisphäre bereits deutlich wahr-nehmbar: Menschen und Tiere in den heißen Zonen der Erde spü-ren die Klimaerwärmung in Form von Wasser- und Nahrungs-mangel, aber auch von vermehrten Wetterkapriolen bereits mas-siv. Mit verschiedensten Lösungsansätzen wird darauf reagiert – von der Reduktion der Treibhausgase mittels erneuerbarer Ener-gieformen, Agrotreibstoffen oder flächendeckender Wärme-dämmung. CO2-Einsparung auf allen Ebenen ist hierbei das Ge-bot der Stunde. Die Hoffnung liegt zuallererst in den Wäldern – wider besseres Wissen, wie manche Wissenschafter meinen. Denn nicht die Wälder, sondern die Moore sind nach deren Ein-schätzung der größte terrestrische Kohlenstoffspeicher der Erde. Und diese Moorflächen – Torf wächst nur 0,5-1 mm pro Jahr - schwinden weltweit rapide – so wurden und werden die Ölpalm-plantagen Indonesiens bevorzugt auf Moorflächen angelegt. In-nerhalb der EU (Finnland und Schweden) gibt es sogar Bestre-bungen, Torf für Heizzwecke zu kategorisieren, da es für diesen nachwachsenden (!) Rohstoff höhere Förderungen gibt als für Kohle. Was die Moore für unser Klima bedeuten und was nötig ist zu tun, um die schleichende Zerstörung zu verlangsamen oder zu verhindern, wird das Thema dieser Ausgabe sein.

 

Inhalt

Aktuell

 

Moore: Vom Aschenputtel zur Prinzessin?

Bisher unterschätzt und kaum wahrgenommen: Die späte Folge der Trockenlegung von Sümpfen

Intakte Moore sind wichtige Senken und vor allem Speicher für Kohlenstoff. Seine Bindung ist ihnen sozusagen Beruf und Berufung: Dank ihrer Fähigkeit, die produzierte Biomasse in Torf zu verwandeln, sind sie weltweit die wichtigsen Land-Ökosysteme, die Kohlendioxid kontinuierlich und in bedeutenden Mengen aufnehmen und als Kohlenstoff über Jahrtausende bewahren können. Das gilt allerdings nur für ungestörte Moore mit intaktem Wasserhaushalt.

Werden Moore entwässert, wandeln sie sich sehr rasch von einer natürlichen CO2-Senke zur bedeutenden CO2-Quelle. Heute stammt jede 10. Tonne der anthropogenen Treibhausgasemissionen aus entwässerten Mooren. Dies beeinträchtigt nicht nur Treibhausgasbilanz und Wasserhaushalt, sondern auch die Biodiversität: Viele hoch spezialisierte und gefährdete Pflanzen und Tiere leben ausschließlich in intakten, torfbildenden Mooren. Der Schutz der ungestörten Moore, die Wiedervernässung und Renaturierung entwässerter Flächen können mithelfen, die Emission von Treibhausgasen zu senken sowie geeignete Lebensräume für spezialisierte und seltene Tier- und Pflanzenarten zu erhalten. Ähnlich wie Stiefmutter und Stiefschwestern in Grimms Märchen "Aschenputtel" haben Wissenschaft, Politik und Wirtschaft die Rolle der Moore im Kohlenstoffkreislauf der Erde bisher kaum richtig wahrgenommen.

Moore bedecken weltweit eine Fläche von 4 Mio. km2 oder rund 3 % der Landfläche. Dies entspricht ziemlich genau der Fläche aller 27 EU-Staaten oder 48mal der Fläche Österreichs. Moore spielen eine Schlüsselrolle im globalen Kohlenstoffhaushalt, die bisher von der Wissenschaft unterschätzt (1) und von der Politik kaum wahrgenommen (2) worden ist.

Moore - größter oberirdischer Kohlenstoffspeicher der Biosphäre
Mit der Entwicklung ihrer Torfkörper haben die Moore der Atmosphäre in den letzten 15.000 Jahren insgesamt etwa 550 Mrd. Tonnen Kohlenstoff (C) bzw. 2.020 Mrd. Tonnen Kohlendioxid (CO2) entzogen. Dies entspricht etwa einem Drittel aller bodengebundenen Kohlenstoffvorräte oder der Menge, die in der gesamten Vegetation (Wälder, Savannen, Steppen, Gras- und Ackerland, etc.) steckt bzw. rund 60 % des atmosphärischen Kohlenstoffs. Damit sind die Moore der weltweit größte oberirdische Langzeitspeicher für organisch gebundenen Kohlenstoff. (3) Mehr noch: Was wir heute als Braunkohle oder Steinkohle verbrennen, waren vor Millionen von Jahren mächtige bewaldete Torfmoore.

Durch Entwässerung wandeln sich die Torfkörper jedoch kurzfristig von einem Langzeitspeicher für Kohlenstoff zu einer bedeutenden Quelle von Kohlendioxid. Gegenwärtig binden die intakten, Torf bildenden Moore weltweit noch zwischen 150 bis 250 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr. Dies entspricht durchschnittlich ca. 500 kg CO2 pro ha und Jahr. (3, 4) Bis heute sind durch Drainage und Torfabbau etwa ein Fünftel (800.000 ha) der ursprünglichen Moorflächen zerstört worden. Europa ist dabei der Kontinent mit den höchsten Moorverlusten.

Österreich und die Schweiz haben in den letzten 200 Jahren durch Entwässerung, Torfabbau und Kultivierung mehr als 90 % der ursprünglichen Moorfläche von über 300.000 ha (5) bzw. 250.000 ha (6) verloren. Viele verbliebene Moorgebiete befinden sich in einem Zustand anhaltender Degeneration infolge tief greifender Veränderungen ihres Wasserhaushalts. So sind heute auch manche geschützte Moore kaum mehr in der Lage, neuen Torf zu bilden und ihre Torfkörper vor Zersetzung zu bewahren.

Lösungsansatz: Schutz und Wiedervernässung intakter Moore und entwässerter Torfböden
Nur ein umfassender Schutz der intakten Moore garantiert, dass sie ihre wichtigen Funktionen als langfristige passive Kohlenstoff-Speicher sowie als aktive CO2-Senken (Info Heft S. 14) wahrnehmen können. Aus der Sicht des Klimaschutzes ist die Wiedervernässung von entwässerten Mooren und Torfböden praktisch in jedem Falle positiv zu bewerten und kann längerfristig zur Neubildung von Torf und schließlich zur Speicherung von Kohlenstoff führen. Gegenüber der Variante Nichtwiedervernässen lassen sich so die Klima relevanten Emissionen um 80-100 % reduzieren. Zudem wird durch die Renaturierung von Mooren der Lebensraum für seltene Arten erhalten oder im Falle entwässerter Torfböden wieder hergestellt. Im Vergleich zum kontinuierlichen und erhöhten CO2-Ausstoß entwässerter Moore sind die durch Wiedervernässung ausgelösten Methanemissionen vorübergehender Natur und langfristig als gering einzuschätzen (7) (siehe auch Beitrag Heft Seite 11).

Im Kyoto-Protokoll haben sich die Staaten verpflichtet, den CO2-Ausstoß gegenüber dem Referenzwert von 1990 (= 38 Mrd. Tonnen CO2-eq) um 10 % zu reduzieren. Weltweit setzen alle degradierten Moore jedoch jährlich etwa 3,5 Mrd. Tonnen CO2 frei. (4, 8) Rund 10 % aller direkt vom Menschen verursachten CO2-Emissionen stammen also aus degradierten Mooren. Mit anderen Worten: Allein mit dem Schutz der intakten Moore sowie mit umfassender Wiedervernässung bereits degradierter Moorflächen könnte die Staatengemeinschaft ihre Verpflichtungen gemäß Kyoto-Protokoll weitgehend erfüllen. Die Erhaltung des Kohlenstoffspeichers Moor ist nicht nur vorbeugender Klimaschutz, sondern auch mit Abstand die kostengünstigste und wirksamste Maßnahme zur Vermeidung von CO2-Emissionen (1). Schließlich lassen sich mit dem Wiedervernässen von drainierten organischen Böden die CO2-Emissionen effizient und beträchtlich reduzieren, und zwar um 5-10 oder gar bis zu 35 Tonnen CO2 pro Hektar und Jahr. (2, 7)

Österreich. Ausgehend von einem Referenzwert von 78,5 Mio. Tonnen CO2 für das Jahr 1990, hat sich Österreich verpflichtet, seinen CO2-Ausstoß bis 2010 auf 68,8 Mio. Tonnen zu reduzieren. (9,10) Es ist abzusehen, dass dieses Reduktionsziel heuer um 23-32 Mio. Tonnen CO2 verfehlt wird.


  Gegenwärtig gibt es in Österreich neben den intakten Mooren, die rund 7.000 ha umfassen, und den hydrologisch gestörten Mooren, die etwa 14.000 ha einnehmen, noch rund 100.000 ha organische Böden unter intensiver landwirtschaftlicher Nutzung (vgl. Tab. 1). Davon entfallen ca. 10.000 ha auf Viehweiden, 30.000 ha auf Mähwiesen und 60.000 ha auf Ackerland. (5) Konservativ geschätzt befindet sich unter diesen 121.000 ha, welche bloß noch

1,4 % des Landes einnehmen, ein Vorrat von organisch gebundenem Kohlenstoff von beinahe 100 Mio. Tonnen C (vgl. Tab. 3). Sein vollständiger Abbau würde 340 Mio. Tonnen CO2 freisetzen, was etwa dem Vierfachen der gegenwärtigen österreichischen CO2-Gesamtjahresemission von 88 Mio. Tonnen entspräche. (9)

Ökonomischer Wert. Da sich ein Markt für Kohlenstoffzertifikate erst langsam entwickelt, sind momentan nur Schätzungen zum ökonomischen Wert von vermiedenen Emissionen durch Wiedervernässung gestörter Moore möglich. Schätzungen im Rahmen eines 42.000 ha umfassenden Moorregenerationsprojektes in Weißrussland ergaben eine jährliche Emissionsreduktion von 0,2-0,4 Mio. Tonnen CO2 oder 5-10 Tonnen CO2 pro ha entwässerte und brachliegende (aber nicht intensiv genutzte) Moorfläche. (7) Bei einem Preis von 13,5 Euro pro Tonne CO2 (11) entspricht dies einer jährlichen Einsparung von 70-135 Euro pro ha oder rund 2,7-5,5 Mio. Euro für die gesamte Projektfläche in Weißrussland.

Würden in Österreich alle hydrologisch gestörten sowie alle kultivierten Moorböden (insgesamt 110.000 ha) wiedervernässt, so ergäbe sich - bei Reduktionspotenzialen von 5-40 Tonnen CO2 pro Hektar und Jahr - eine theoretische jährliche Emissionsreduktion von 0,55-4,5 Mio. Tonnen CO2. Gemäß den Erwägungen zu den Peatland Carbon Credits (Kohlenstoffzertifikate) und dem aktuellen Kurswert von 13,5 Euro pro Tonne eingespartes CO2 entspräche dies pro Hektar einem Geldwert von 67,5-540 Euro oder landesweit einer Summe von 7,5-60 Mio. Euro.

Empfehlungen
>> Rasche Anerkennung der Moore und organischen Böden als eigenständige Landnutzungskategorien durch IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) und den internationalen Emissionshandel. Dort gelten bisher nur Wälder als Kohlendioxid-Senken, obwohl - zumindest wenn menschliche Maßstäbe angelegt werden - die Moore den Kohlenstoff nahezu ohne zeitliche Begrenzung festlegen, Wälder hingegen nur bis zum Erreichen ihres Reifezustandes. (12)

>> Da der Naturschutz in Österreich Sache der Länder ist, sollten diese zumindest in den geschützten Moorgebieten die Anstrengungen zum Erreichen der verordneten Schutzziele deutlich verstärken.

>> Für das Wiedervernässen von drainierten Mooren sowie landwirtschaftlich genutzten, organischen Böden sind die nötigen Finanzmittel bereitzustellen. Dies sind wirkungsvolle und langfristig wirksame Maßnahmen, die ihren Preis wert (1) sind, da sie nicht nur die Emission von Treibhausgasen reduzieren, sondern auch die Artenvielfalt fördern


CO2-Äquivalente oder Treibhausgaspotenzial (CO2-eq)

Diese werden auch als Global-Warming-Factor (GWP) bezeichnet. Um die weiteren Treibhausgase CH4, N2O, HFC, PFC, SF6 bei der Kyoto-Ziel-Erfüllung ebenfalls berücksichtigen zu können, ist es notwendig, eine entsprechende einheitliche Bemessungsgrundlage (CO2-Äquivalente, CO2-eq) festzulegen. Dabei wird das globale Erwärmungspotenzial der anderen Gase in Relation zur Klimawirksamkeit von CO2 gestellt. Ausgedrückt wird dieser Zusammenhang durch das Global Warming Potenzial, das vom Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) festgelegt wurde.

Beispiel: Das CO2-Äquivalent für Methan beträgt bei einem Zeithorizont von 100 Jahren 25: Das bedeutet, dass ein Kilogramm Methan 25-mal stärker zum Treibhauseffekt beiträgt als ein Kilogramm CO2.

Quelle: www.co2-handel.de/lexikon-43.html (Stand 29.1.2010)

 

Zitate

1Spracken, D., Yaron, G., Singh, T., Righelato, R., Sweetman T., (Caldecott, B., Editor), 2008: The Root of the Matter. Carbon Sequestration in Forests and Peatlands. Policy Exchange, Clutha House, 10 Storey's Gate, London SW1P 3AY. ISBN: 978-1-906097-31-8; www.policyexchange.org.uk

2Freibauer A., Drösler M., Gensior A., Schulze E.-D., 2009: Das Potenzial von Wäldern und Mooren für den Klimaschutz in Deutschland und auf globaler Ebene. Natur und Landschaft 84, 20-25.

3Joosten H., Clarke D., 2002: Wise use of mires and peatlands - Background and principles including a framework for decision-making. International Mire Conservation Group and International Peat Society (Ed.), 303 S. ISBN 951-97744-8-3, www.imcg.net/docum/WUMP_Wise_Use_of_Mires_and_Peatlands_book.pdf

4Parish F. et al. (eds.), 2007: Assessment on peatlands, biodiversity and climate change. Global Environment Centre, Kuala Lumpur, and Wetlands International, Wageningen: www.imcg.net/docum/pcb.htm

5Steiner, G.M. (pers. Mitteilung 2010) und Steiner G.M., 1992: Österreichischer Moorschutzkatalog. Wien, Bundesministerium für Umwelt, Jugend und Familie. 4. Aufl. 509 S.

6Grünig A., 2007: Moore und Sümpfe im Wandel der Zeit. Hotspot 15/07, S. 4/5. www.biodiversity.ch/publications/hotspot

7Joosten H., Augustin J., 2006: Peatland restoration and climate: on possible fluxes of gases and money. In: Bambalov, N.N. (ed.): Peat in solution of energy, agriculture and ecology problems. Proceedings of the International Conference Minsk, May 29-June 2, 2006. Tonpik, Minsk, 412-417.

8Canadell J.G. et al., 2007: Contributions to accelerating atmospheric CO2 growth from economic activity, carbon intensity, and efficiency of natural sinks. Proc Natl Acad Sci USA: www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.0702737104

9Rebernig, G., 2008: Treibhausgasemissionen in Österreich 1990-2006. Datenstand 2008. www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/presse/
news_2008/praesentation_thg_2008_080115.pdf.

10Umweltbundesamt, 2009: Austria's National Inventory Report 2009. Submission under the United Nations Framework Convention on Climate Change. Report REP-0188. Wien, 386 S., 210 S. im Anhang. ISBN 3-85457-986-1

11www.climatecorp.com/pool.htm, Stand 19. Januar 2010

12Körner, C., 2009: Biologische Kohlenstoffsenken: Umsatz und Kapital nicht verwechseln! Gaia 18/4, 288-293.

13 Frolking, S., Roulet, N.T. 2007. Holocene radiative forcing impact of northern peatland carbon accumulation and methane emissions. Global Change Biology 13: 1079-1088


Links

http://unfccc.int/resource/docs/2009/sbi/eng/12.pdf (Kyotoprotokoll)

http://www.imcg.net/


Literaturtipps

>>Wasser macht das Hochmoor wieder lebendig (pdf): www.bafu.admin.ch/dokumentation/umwelt/03579/index.html

>>Bedeutung der Moore für den Hochwasserschutz (pdf): www.bafu.admin.ch/dokumentation/fokus/00136/01387/01794/index.html

>>Regeneration von Hochmooren: Grundlagen und technische Maßnahmen (pdf) 2009: www.bafu.admin.ch/publikationen/publikation/00879/index.html

Autor:
Dipl. Natw. ETH Andreas Grünig, Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART, Reckenholzstrasse 191, CH-8046 Zürich
T 0041/443 77 74 85, andreas.gruenig@art.admin.ch
www.art.admin.ch

 

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Moore - Kinder von Eis und Wasser

Moore sind Feuchtgebiete, deren Vegetation Torf zu bilden vermag. Sie sind weit verbreitete, aber seltene und zunehmend gefährdete Lebensräume und Hort einer ganz spezifischen Lebewelt mit Eiszeitrelikten, wie fleischfressenden Pflanzen. Sie sind Kinder des Wassers und der Gletscher, zugleich wichtige Wasserspeicher, da sie 10 % allen Süßwassers der Erde enthalten.

Moore gibt es seit es Feuchtgebietspflanzen gibt. Moore sind langlebige Lebensräume, bemisst sich ihr Lebenszyklus doch in der Regel nach Jahrtausenden. Deshalb sind intakte (Regenwasser-)Moore wichtige Archive der Umwelt-, Siedlungs- und Kulturgeschichte (Pollenanalyse, Moorleichen, Entwicklung von Klima und Geschichte der Umweltbelastung (Deposition von Schwermetallen)).

Torfbildung. Torf ist das Produkt von verzögertem Wasserabfluss und hohem Wasserspiegel, Sauerstoffmangel und niedrigen pH-Werten sowie Biomassebildung durch genügsame, angepasste Pflanzen und gehemmter Zersetzung des organischen Materials. In der Regel sind Planzen autotrophe Wesen, die mit Sonnenlicht, Kohlendioxid (CO2), Wasser und etwas Nährstoffen auskommen. Dank Photosynthese produzieren sie aus CO2 organisches Material (C6H12O6) und geben gleichzeitig Sauerstoff (O2) ab. Unter normalen Standortsbedingungen veratmen Pilze und Bakterien das anfallende tote organische Material wieder zu Kohlendioxid (CO2) und Wasser (H2O). Wachsende Moore haben jedoch ein deutlich reduziertes Bodenleben. Anhaltend hohe Wasserstände erschweren die Nachlieferung (Diffusion) von Sauerstoff aus der Luft und hemmen die Aktivität der Phenoloxidase. Das von den Pflanzen produzierte organische Material kann deshalb nicht vollständig abgebaut werden und akkumuliert mit der Zeit als Torf. Die 300 Millionen Jahre alten Torfe aus dem Oberen Karbon wurden zu Steinkohle, die 3–65 Mio. Jahre alten Torfe aus dem Tertiär zu Braunkohle.

Hochmoor. Ein Tropfen Wasser auf einer Glasplatte hat die gleiche Wölbung wie ein Hochmoor in der Landschaft. Die Form des Hochmoores wird also vom Wasser bestimmt! Ein ungestörtes Hochmoor besteht aus zwei Schichten: Die obere, lebende bzw. wenig zersetzte Schicht ist etwa 50 bis 100 cm mächtig und wird als Akrotelm bezeichnet (vom griechischen akro "hoch" bzw. telma "Moor, Sumpf"). Darunter bildet das Katotelm (von kata "herab") die eigentliche Masse, die die jeweilige Form des Moores prägt. Das Katotelm kann bis 15 m mächtig sein. Es besteht aus abgestorbenem Pflanzenmaterial - dem Torf - und etwa 85-95 % Wasser. Der Grundwasserspiegel befindet sich immer im Akrotelm.

Kühlende Wirkung. In der Biosphäre sind Moore der mächtigste, dauerhafteste und kostengünstigste terrestrische Langzeitspeicher für Kohlenstoff, der sich über Jahrtausende entwickelte. Die Kohlenstoffspeicherkapazität der lebenden Moore hat in den letzten 10.000 Jahren eine kühlende Wirkung für das Klima gehabt.

Moore reagieren sehr empfindlich auf Veränderungen des Wasserhaushalts. Entwässerung geht an ihre Substanz. Bei unbedarfter Nutzung mutieren Moore von langlebigen Kohlenstoffsenken sehr rasch zu kräftigen Quellen von Kohlendioxid, Methan und unter Umständen Lachgas. Die beste, effizienteste und nachhaltigste Nutzung von Mooren ist ihr konsequenter Schutz. Drainierte Moore bzw. Torfkörper sind so rasch als möglich wieder zu vernässen.

Ausgleichende Wirkung. Intakte Moore führen einen großen Teil ihres Überschusswassers über ihr Mikrorelief (z.B. Bult-/Schlenkenstrukturen) bzw. über das Akrotelm - das ist die oberste, lebendige, wenig zersetzte und daher grobporige, rund 50 cm starke Torfschicht - ab. Das hilft mit, die Strömungsbahnen zu verlängern und den Wasserabfluss zu verzögern, d.h. Moore verlangsamen den Abfluss von (Stark-) Niederschlägen.

Der Teufelskreis der Moordrainage. Entwässerte, landwirtschaftlich normal, d.h. intensiv genutzte Torfböden müssen infolge Sackung, Schrumpfung, Mineralisierung und Erosion innerhalb einer Menschengeneration erneut entwässert werden. Dies löst wiederum die gleichen Abläufe aus. Mit jeder Entwässerung werden die Standorte zunehmend heterogener und schwieriger zu bewirtschaften. Demzufolge werden landwirtschaftlich genutzte Moore zunehmend marginaler. Weltweit haben die Menschen bisher etwa 80 Mio. ha Moore (20 % der ursprünglichen Fläche) so weit gestört, dass darauf kein Torf mehr gebildet wird, was Torfzehrung bedeutet!

Moore sind noch mehr. Sie sind vielfältig. Bei der Erhaltung der weltweiten Biodiversität nehmen Moore eine Schlüsselrolle ein. Fazit: Moore bzw. Torfe spielen eine Schlüsselrolle im globalen Kohlenstoff- und Wasserhaushalt.


Text:
Dipl. Natw. ETH Andreas Grünig und Univ. Prof. Dr. Gert Michael Steiner: Universität Wien, 1010 Wien, gert.michael.steiner@univie.ac.at

 

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Was bringt die Wiedervernässung von Mooren für den Klimaschutz?

Moore stehen in einem intensiven Austausch mit der Atmosphäre. 20-30 % der weltweiten Kohlenstoffvorräte sind in Mooren enthalten. Genutzte Moore sind Quellen für Treibhausgase. Eine Wiedervernässung von Mooren könnte die Freisetzung der relevanten Klimagase Kohlenstoff und Lachgas deutlich senken.

Seit der Eiszeit sind große Mengen an Kohlendioxid als Torf in den Mooren abgelagert worden. Durch deren Entwässerung und Nutzung wird dieser Kohlenstoff nach und nach mineralisiert und als Kohlendioxid wieder an die Atmosphäre abgegeben. Spätestens seit Beschluss des Kyoto-Protokolls (1997) wird dem Klimaschutz eine besondere Bedeutung beigemessen. Inzwischen gilt als erwiesen, dass die Erde sich seit Beginn der Industrialisierung erwärmt hat und dass dies auf den vermehrten Ausstoß von Treibhausgasen durch menschliche Aktivität zurückgeführt werden muss (IPCC, 2007).

In Deutschland sind etwa 85 % der Moore land- und forstwirtschaftlich genutzt. Nach dem Nationalen Treibhausinventarbericht werden dadurch 37 Mio. t CO2 oder 4,1 % der Gesamtemission der Bundesrepublik Deutschland freigesetzt (Umweltbundesamt, 2008). Damit stellen genutzte Moore eine wichtige Quelle für Treibhausgase dar.

Wie ermittelt man Treibhausgasflüsse zwischen Moor und Atmosphäre?
Zur Beurteilung der Klimawirksamkeit von Mooren ist es erforderlich, Daten zum Austausch der relevanten Treibhausgase zwischen Moor und Atmosphäre zu gewinnen. Für Methan und Lachgas sind Gasmessungen notwendig. Der Kohlendioxidaustausch lässt sich sowohl über Gasmessungen als auch über Massenbilanzen abschätzen. Gasmessungen müssen sich über mindestens 1 Jahr, besser über mehrere Jahre erstrecken, und sollten sowohl die Variation innerhalb eines Jahres als auch über die Jahre repräsentativ abbilden. Dies ist sehr kosten- und zeitaufwändig. Massenbilanzen, d. h. die Abschätzung der Kohlenstoffverluste über die Höhenverluste entwässerter Moore (Absenkung der Mooroberfläche) oder die Abschätzung der Kohlenstofffestlegung über die Höhe des Torfwachstums in wachsenden Mooren sind deutlich kostengünstiger, lassen sich aber nur über Zeiträume von mindestens 10 Jahren erstellen und integrieren dann die zeitliche Variabilität in diesem Zeitraum. Unterschiede in den Resultaten zum Kohlendioxidaustausch zwischen diesen beiden Ansätzen sind nicht selten auf die unterschiedlichen Zeitskalen zurückzuführen. Die zeitlich hoch aufgelösten Gasmessungen spiegeln stark die witterungs- und bewirtschaftungsbedingten Einflüsse wider, während die Massenbilanzen eher (gemittelte) Langzeitaussagen liefern.

Wie viel Treibhausgase setzen land- und forstwirtschaftlich genutzte Moore frei?
Für eine land- und forstwirtschaftliche Nutzung werden Moore in der Regel entwässert, gedüngt und gekalkt, teilweise auch bearbeitet. Vor allem durch die Entwässerung wird eine Mineralisation der Torfe ausgelöst, die zur Freisetzung von Kohlendioxid führt. Aufgrund der gleichzeitig ablaufenden Stickstoffmineralisation sowie der Stickstoffdüngung kann es außerdem zur Freisetzung von Lachgas kommen. Die Methanfreisetzung spielt in den entwässerten Mooren keine Rolle.

Raten des Kohlendioxid- und Lachgasaustausches in Abhängigkeit des Moortyps und der Nutzung sind Tabelle 1 zu entnehmen. Die beiden zitierten Studien haben in der Regel ähnliche Größenordnungen, im Einzelfall aber auch abweichende Zahlen für die Gasflüsse ergeben. Dies spiegelt die Vielfalt der Standortbedingungen aber auch die Problematik einer zeitlich und räumlich repräsentativen Bestimmung des Treibhausgasaustausches wider. Hinzu kommt, dass v.a. die Prozesse, die zur Freisetzung von Lachgas (N2O) führen, äußerst komplex sind, sehr variabel ablaufen und daher bisher kaum vorhergesagt werden können.

Welche Treibhausgasflüsse sind von vernässten Mooren zu erwarten?
Naturnahe Hoch- oder Niedermoore legen in der Regel Kohlendioxid in Form von Torf fest, im Median zwischen 0,34 und 0,71 t C/ha/Jahr (Tab. 2). Wenn es gelänge, genutzte Moore wieder in einen naturnahen Zustand zu überführen, könnte man sie von einer starken CO2-Quelle in eine schwache CO2-Senke umwandeln. Durch eine Anhebung des Grundwassers wird die CO2-Freisetzung deutlich gesenkt werden, nennenswert allerdings nur, wenn mittlere Wasserstände nahe der Bodenoberfläche eingestellt werden (Abb. 1).

Während die Lachgasfreisetzung keine Rolle spielt, emittieren naturnahe Moore Methan (Tab. 2). Bei einer Wiedervernässung kann es in den ersten Jahren zu besonders hohen Methanemissionen, vor allem auf Niedermooren, kommen. Ein Überstau ist nach Möglichkeit zu vermeiden, da er die Methanfreisetzung begünstigt. Allerdings lässt sich die Methanfreisetzung auf den von Natur aus nassen Standorten nicht vollständig vermeiden und ist Bestandteil eines natürlichen Stoffkreislaufs.

Was bringt die Wiedervernässung von Mooren für den Klimaschutz?
Durch eine Wiedervernässung könnte die Freisetzung des wichtigsten Treibhausgases Kohlendioxid aus Mooren deutlich gesenkt und ggf. sogar eine Senke für dieses Gas geschaffen werden. Die Lachgasemissionen würden dadurch ebenfalls deutlich gesenkt werden. Ein Überstau ist zu vermeiden, um die Methanfreisetzung gering zu halten. Um einen nennenswerten Effekt zu erreichen, müssten allerdings die Grundwasserstände derart angehoben werden, dass eine klassische, betriebswirtschaftlich tragfähige landwirtschaftliche Nutzung (u.a. Ackerland, Wiese und Weide für Rinder- und Milchviehhaltung) nicht mehr möglich ist. Alternative Verfahren, z.B. der Anbau moortypischer Pflanzen für eine stoffliche oder energetische Nutzung, sind noch in der Entwicklung.

Eine Wiedervernässung von Moorstandorten allein aus Gründen des Klimaschutzes wird sich auch in Zukunft nicht als tragfähig erweisen. Die Nutzung von Synergieeffekten mit anderen Schutzzielen, v.a Natur- und Artenschutz, Hochwasser-, Gewässer- und Bodenschutz, u.a. auch der Funktion von Böden als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte, ist dringend geboten, um diese einmaligen Ökosysteme zu erhalten.

Text und Grafiken:
Dr. Heinrich Höper, Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie, Boden- und Grundwassermonitoring, Hannover, heinrich.hoeper@lbeg.niedersachsen.de

 

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Osteuropa: Revitalisieren für Klimaschutz und Artenvielfalt

Die Wälder der gemäßigten Zonen, nicht nur die tropischen Regenwälder, sind gewaltige Speicher für Kohlenstoff. Die höchste Speicherkapazität haben allerdings Torfböden, die jedoch weltweit zunehmend zerstört werden - für die Blütenpracht im Hausgarten ebenso wie zur Energienutzung. Beachtliches Potenzial haben auch extensiv bewirtschaftete Grünflächen, vor allem Weideland, das aber in Mitteleuropa stark zurückgegangen ist. Leider sind in Europa intakte, großflächige Ökosysteme sowie traditionell genutzte Kulturlandschaft allenthalben im Rückzug begriffen. Auch in Österreich steigt trotz geringem Bevölkerungswachstum der Flächenverbrauch weiter an: Siedlungen, Betriebs- und Verkehrsflächen verschlingen täglich (!) über fünf Hektar unverbauter Fläche, die Natur verliert zusehends an Boden. Und nicht besser steht es in vielen anderen Ländern Europas. Was verbaut ist, geht auch als CO2-Senke verloren.

Der Beitrag von Feuchtgebieten, Waldflächen und Grünland zum Klimaschutz stand im Mittelpunkt einer internationalen Tagung in Bratislava (9.-10. 11. 09). Der Impuls dazu kam vom EECONET Action Fund (EAF), der Projekte zur Revitalisierung bzw. Vermehrung wichtiger Lebensräume in Mittel- und Osteuropa fördert. Ein relativ neues Aufgabengebiet dabei ist, die Maßnahmen zum Schutz der Artenvielfalt stärker mit dem Klimaschutz zu verknüpfen; die Auswirkungen werden anhand bereits durchgeführter Projekte untersucht. Der Schwerpunkt der Forschung liegt auf den Lebensräumen Wald, Moor und Grünland. Nach Meinung von EAF können diese drei Ökosysteme rund 50 GT (Gigatonnen) an Emissionen "schlucken", die sonst in die Atmosphäre gelangen.

Fallbeispiel Steppen in Russland, Ukraine und Moldawien: In diesen Ländern läuft ein Projekt zur Wiederherstellung von Steppen, die als Agrarland bis vor kurzem intensiv genutzt wurden. In der Ukraine gibt es sechs Mio. Hektar dieser Kategorie. Diese gewaltigen Flächen haben in den letzen 80 Jahren immens unter der rücksichtslosen Ausbeutung und unangemessen Bewirtschaftung gelitten. Nach dem Ende der Sowjetherrschaft ist die landwirtschaftliche Nutzung stark zurückgegangen. Derzeit wird an Lösungen gearbeitet, wie etwa die riesigen Flächen auf nachhaltige Weise für die Landwirtschaft genutzt werden können.

Im Rahmen eines 2007 gestarteten Projektes (Sustainable Integrated Land Use of Eurasian Steppe) versucht man, in ausgesuchten Bezirken einerseits eine nachhaltige Entwicklung der ländlichen Regionen anzukurbeln, andererseits ein nachhaltiges Management für das degradierte Grasland zu entwickeln, um es als vollwertiges Ökosystem wiederherzustellen. Dabei wird der Natur etwas nachgeholfen, in dem auch Samen der typischen, ursprünglichen Steppenpflanzen gesät werden. Mit nicht mehr genutztem, brach liegendem oder übernutztem Acker- und Grasland verfährt man so, dass der Ertrag gesteigert wird und zugleich die ursprüngliche Artengarnitur wieder zurückkehren kann. Man will unter anderem auch Korridore zu den Resten primärer Steppenflächen schaffen, damit Pflanzen- und Tierarten von dort zuwandern können. Nach Angaben der Projektleitung wird durch die Revitalisierung der Steppe auch ihr Potenzial als CO2-Senke gesteigert: von 1,5-4 Tonnen pro Hektar und Jahr auf 2,5-5,5 Tonnen pro Hektar und Jahr. Als Symbolfigur fungiert dort das Ziesel. Extensive Rinder- und Pferdehaltung erscheint wirtschaftlich interessant und wäre zudem für einen nachhaltigen Ökotourismus gut verwendbar. Kosakenidylle pur: weidende Rinder, trabende Pferde, endloser Himmel!

Fallbeispiel Moor in Bulgarien: Das Dragoman Moor, 35 km von Sofia entfernt, ist mit fast 400 ha das größte Karstmoor Bulgariens. Es ist auch ein Juwel am GRÜNEN BAND Europas. Das Feuchtgebiet wurde vor und nach dem 2. Weltkrieg schrittweise trockengelegt und zum Mais- und Weizenanbau genutzt. Der wirtschaftliche Niedergang brachte es mit sich, dass das Drainagesystem vernachlässigt und nicht mehr instand gehalten wurde. Seit 1990 wird das Moor im Rahmen eines auch von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt finanziell geförderten Projektes von EuroNatur und der Balkani Wildlife Society revitalisiert; die Universität Sofia ist in die Forschung eingebunden. Nicht nur die Vogelwelt (190 Arten) profitiert von der Maßnahmen: Für die Besucher - schließlich kommen viele aus Sofia angereist - wurden Stege durchs Moor angelegt, damit sie die Vielfalt bewundern können, ohne Schaden anzurichten.

Neben der Wiedervernässung (vgl. Beitrag S. 11) und anderen Maßnahmen gibt es auch hier Bemühungen, etwas für den Klimaschutz zu tun. Das beim Schnitt der Schilfflächen anfallende Material soll langfristig für ein Biomasseheizwerk verwendet werden. Ertrag: 600 kg pro Hektar und Jahr. Die Fähigkeit der Moore zur Aufnahme von Kohlenstoff wird ebenfalls gesteigert; wie viel genau, das wird gerade erhoben. Mehr dazu: www.euronatur.org

Text:
Mag. Barbara Grabner, Pressereferentin des NATURSCHUTZBUNDes NÖ, barbara.grabner@naturschutzbund.at


http://www.eeconet.org/eaf/climate-biodiversity/index.html


Links

www.euronatur.org

www.steppe.org.ua

www.balkani.org


Info: Was sind CO2-Senken?
Ökosysteme, wie beispielsweise Wälder, Wiesen und Felder, Seen oder Meere können der Atmosphäre CO2 entziehen und den darin enthaltenen Kohlenstoff in der Biomasse, im Boden oder im Wasser speichern. Ein Ökosystem ist eine Senke, wenn es mehr Kohlenstoff aufnimmt als abgibt. Gibt das Ökosystem mehr CO2 ab als es aufnimmt, so ist es eine Quelle dafür. Stürme, Waldbrände oder Borkenkäferepidemien können den im Wald gespeicherten Kohlenstoff freisetzen - dadurch wird die Senke wiederum zur Quelle von CO2.

 

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Torf gehört ins Moor...

...und nicht in den Garten. Der Großteil des Torfes landet in Blumentöpfen, Gärten und als Substrat in Glashäusern und Gärtnereien.

Torf besitzt eine Reihe von Eigenschaften, die es für den Einsatz als Kultur- und Pflanzsubstrat, sowohl im Erwerbs-, als auch im Hobbygartenbau prädestinieren. Dementsprechend hoch ist nach wie vor der Einsatz von Torf als alleiniges Substrat oder als Bestandteil in Pflanzenerden und Kulturmedien.

Torf bildet sich nur in Mooren. Diese einzigartigen Feuchtgebiete sind Lebensraum für viele gefährdete Arten und erfüllen wichtige Funktionen im Wasserhaushalt und als Regulatoren des Klimas. Weil in Österreich nur noch etwa 10 % der ursprünglichen Moore erhalten sind, importiert unser Land jährlich tausende Tonnen Torf, hauptsächlich aus Osteuropa. Dadurch droht heute den letzten ursprünglichen Moorlandschaften Europas die Zerstörung.

Die Umwelt und der Verkehr werden durch weite Transportwege zusätzlich belastet. Österreich hat sich mit der Unterzeichnung der Alpenschutzkonvention unter anderem verpflichtet, zur Erhaltung von Hoch- und Flachmooren mittelfristig die Verwendung von Torf vollständig durch andere Produkte zu ersetzen.

Torfersatz aus regional verfügbaren nachwachsenden Rohstoffen
Es gibt heute viele umweltschonende und hochqualitative Alternativen für Torf. Viele davon werden aus heimischen Rohstoffen, wie Holzfasern, Flachs oder Rinden- und Biokompost hergestellt. Wer weiter denkt und umweltbewusst handeln will, kauft nur torffreie Erde. Jeder kann damit einen Beitrag zum nachhaltigen Umgang mit unserer Umwelt und zur Erhaltung der einzigartigen Lebewelt unserer Moore leisten.

Ein Projekt* des Instituts für nachhaltige Techniken und Systeme am Joanneum Graz sucht Möglichkeiten für den Ausstieg aus der Torfnutzung im Bereich des Erwerbs- und Hobbygartenbaues. Ressourcen schonende und ökologisch wie ökonomisch sinnvolle Lösungen stehen dabei im Vordergrund. -HA-

*Projektleitung und Info:
Joanneum Research, Institut für nachhaltige Techniken und Systeme, Dr. Arnold Stuhlbacher, 8010 Graz, T 0043/(316)876-1351, arnold.stuhlbacher@joanneum.at

Projekt- und Kooperationspartner
Fa. Herneth Gartenbau KEG www.herneth.at
Fa. Natur-Gut, Kompostierung und Landschaftsbau GmbH www.naturgut.at
Fa. Sonnenerde www.sonnenerde.at
Land- und Forstwirtschaftliche Fachschule Kirchberg/Walde www.lfs-kirchberg.at

 

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Verkehrsmittel und Urlaub - Erholt statt gerädert

Lagebericht von der Erholungsfront

Sommerliches Protest-Transparent auf einer Autobahnbrücke: "Du stehst nicht im Stau - du bist der Stau!" Der Verkehrsfunk wurde zum "Lagebericht von der Erholungsfront". Auch wenn Soziales, Ölpreis und Finanzkrise die Umweltproblematik scheinbar verdrängt haben, definieren Europäer ihre Lebensqualität nach wie vor über Umwelt und Erholung. Befunde zeigen, wie sich die selbstverständliche Gleichung "guter Urlaub = weit wegfahren" in einer Wolke aus Treibhausgasen auflöst.

Österreichs Pkw-Bestand hat sich seit 1950 80fach erhöht, der internationale Luftverkehr seit 1960 um das 16fache. Das deutsche Öko-Institut bilanzierte 2002 die touristische Umweltbelastung: Deutschland zählte 1999 110 Mio. private Übernachtungen (Österreich: 115 Mio.!), davon zwei Drittel auf Urlaubsreisen, drei Viertel mit dem Pkw angetreten. Kurzreisen erfolgen sogar zu 80 % per Pkw. Die Klimabelastung des deutschen Inlandstourismus betrug 16 Mio. Tonnen Treibhausgase - die Jahreskilometerleistung von 3 Mio. Pkws. Beim Ferntourismus überholen Flugreisen die Autoreisen: Pro Person und Flugreise ergab sich ein Schnitt von 5,6 Tonnen CO2, was 35 Pkws bei einer Alpenreise und vier Pkws auf einer Mittelmeerreise entspricht. Die 5,4 Mio. Ferntouristen 1999 schlugen mehr zu Buche als 16,9 Mio. Mittelmeerurlauber.

Tourismus ist kein unvorhersehbares Naturereignis, sondern historisch gewachsenes, durch Imagebildung und Marktwirtschaft gefördertes Verhalten. Welche Rolle spielt dabei der Staat? UN wie EU senden "grüne Signale", national und regional erscheinen Gütesiegel, Öko-Audits, ökologischer Fußabdruck und Ökobilanzen. Trotz länderübergreifender Alpenkonvention ist der nachhaltige Tourismus vielfach noch nicht dort angekommen, wo er hingehört - bei Veranstaltern, Destinationen, bei der Bevölkerung als Reisende und Gastgeber. Leuthold untersuchte 2001 Potenziale des Ökotourismus in Österreich im Auftrag des Wirtschaftsministeriums. Angelpunkte sind dabei (staatliche) Regionalentwicklung und Verkehrsmittelwahl. Zur Umsetzung dienen regionale Maßnahmenkataloge mit Angeboten zum Naturkontakt, zur Besucherlenkung, entsprechenden Quartieren (Bauernhof wie Umweltzeichenhotels), grüner Mobilität und Verkehrsberuhigung. Ökotourismus ist kein All-inclusive-Club, sondern vernetzt sich mit regionalen Angeboten. Laut Befragungen sind etwa 35 % der Österreich-Reisenden ökotouristisch motiviert, die Hälfte davon auch gegen Aufpreis. Ökotourismus ist nach Leuthold Qualitätssicherung und bessere Vermarktung bereits bestehender best practice-Angebote, ihre Vernetzung via Cards (Neusiedlersee Card) und Straßen ("Käsestrasse"). Der Staat hat wichtige Förder- und Regulationsaufgaben, welche das nachhaltige Angebot bestimmen. Der Glaube an Selbstregulation ist Wunderglaube.

Aussagen von Erholungssuchenden stellten Strey und Winter 1995 an der deutschen Nordsee jenen an einem Baggersee bei Göttingen gegenüber. Also einmal Meeresgäste, einmal Ziegelteichbesucher. "Erholung" verbanden mit dem Kiessee 74 %, mehr als 71 % mit der Nordsee. "Schön" wurden beide Orte zu 60 % gefunden. Bei "Freiheit" rangierte der Kiessee mit 57 % vor dem Meer (46 %). 51% hielten die Nordsee für "unberührt", 43 % den Baggersee. "Vielfältig" war die Nordsee für 36 %, der Baggersee für 44 %. Strey und Winter meinten, die Ergebnisse wären typisch touristisch - Orten wird etwas zugeschrieben, sie erfüllen Wünsche und Sehnsüchte. Wenn subjektive Naturwahrnehmung und Erholungstauglichkeit aber primär aus Wohlbefinden und positiver Zuschreibung besteht, warum muss ich dann etwas, was ich auch im Umland finde, mühsam auf der Langstrecke suchen? Wie viel Prestige gewinne ich, wenn ich vor physisch und psychisch derselben Erholung im Auto oder Flieger schwitze?

"Guter Urlaub = weit wegfahren" als selbstverständliche Gleichung löst sich durch Befunde, wie jene von Strey und Winter, in einer Wolke aus Treibhausgasen auf. Naherholung, bei der ich mich nicht stundenlang (zu deren Nachteil) durch anderer Leute Landschaften quäle, wird zu einem gesundheitlich gleichrangigen Projekt. Schrebergarten, Ziegelteich und Laubwald sind keine billige Reduktionskost resignierter Kleinrentner, sondern haben erholungsmäßig dasselbe Potenzial wie vermeintlich höhere Ziele.

Eine Gesellschaft, die zunehmend unter Ölpreis und finanziellem Risiko leidet, sollte analog zum Sinnspruch "time is money" (Zeit ist Geld) auch einmal - in Ruhe! - über "time is leisure", (Sich-Zeitlassen ist Erholung), nachdenken. Was uns Slow Food-Fans und Zeitverzögerer schon länger sagen wollen: Transport-Zeitgewinn ("Zwei Stunden früher am Urlaubsort") ist nicht alles, sondern auch Transportzeit könnte Erholungszeit sein.

Wie kommt es psychologisch zur Akzeptanz von umweltschonenden Alternativen im Alltag?
Und wie bleibt diese Akzeptanz erhalten? Hier bleibt das Modell von Fietkau und Kessel (1981) aktuell: Es geht um fünf Einflussfaktoren auf umweltgerechtes Verhalten. Einmal das Wissen um Alternativen: Wenn ich nicht weiß, wie oft und wie schnell die Bahn an ein Urlaubsziel fährt, werde ich sie nicht ernsthaft in Betracht ziehen. Ob ich Wissen habe und aufnehme, hängt wiederum von meinen Einstellungen und Werten ab. Wer das Bahnfahren nach jahrelangem Tagespendeln zur Schule für "die volle Lähmung" hält, den reizt kein Blick in den Fahrplan mehr. Eine Umbewertung liefe über Image und Prestige. "Stau? Ich bin doch nicht blöd" hieße das in Analogie zur Elektronikwerbung. Ob ich mich umweltgerecht verhalte, hängt weiters von den Verhaltensangeboten ab, also, ob mich der Öffentliche Verkehr (ÖV) überhaupt an mein Wunschziel bringen kann. Wichtig sind daneben konkrete Verhaltensanreize, also etwa ein interessantes Ticketangebot in Kombination mit anderem, wie bei der Städtetourismus-Card. Das fünfte Kästchen beinhaltet wahrgenommene positive Konsequenzen. Wissenschaftliche Erfolgsbilanzen ("eine Tonne Treibhausgas eingespart") helfen dem Marketing wenig - wer will schon ein "Treibhausgas-Sparschweinchen"? Positive Konsequenzen umweltgerechter Mobilität sollten vielmehr beim Konsumenten selbst entstehen und fühlbar werden: Gut geplanter und intelligent bewirtschafteter ÖV hat selbst Erholungscharakter. Minibar, Flirtmöglichkeit, 10 Meter zum Zug-WC bleiben auf der Autobahn unerfüllbare Wünsche.

Nahtourismus ist der unspektakuläre Teil des Tourismus ohne Palmen und Elefanten, aber für Österreich ist sein Angebot existentiell. So, wie das früher karge Marmeladefrühstück kein touristisches Schicksal ist, sondern ein verbesserbares Qualitätsmerkmal, sollten durchgeschwitzt aus dem Auto taumelnde Urlauber zu ÖV-Gästen werden, die sich nach einer stressarmen Anfahrt mit erster Urlaubseinstimmung auf ein Netzwerk nachhaltiger lokaler Angebote freuen. Damit nicht am Ende Blaise Pascal Recht behält, der 1621 meinte, alles Unglück der Menschen käme davon, "dass sie unfähig seien, in Ruhe allein in ihrem Zimmer bleiben zu können."

Text:
Dr. Alexander G. Keul, Fachbereich Psychologie, Universität Salzburg, alexander.keul@sbg.ac.at

Literaturhinweise:

Fietkau, H.J. & Kessel, H. (1981). Umweltlernen. Königstein/Taunus: Hain.

Leuthold, M. (2001). Potenziale des Ökotourismus in Österreich. Studie für das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit Endbericht. Wien: ÖGAF.

Schmied, M., Buchert, M., Hochfeld, C. & Schmitt, B.(2002). Umwelt und Tourismus. Forschungsbericht im Auftrag des Umweltbundesamtes. Berlin: Öko-Institut.

Strey, G. & Winter, G. (1995). Freizeit in der Stadt. In A. G. Keul (Hrsg.), Wohlbefinden in der Stadt (S.137-154). Weinheim: Beltz, Psychologie Verlags Union.

 

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Laudatio für Bernd Lötsch

aus Anlass des Übertritts in den Ruhestand
Gehalten vom Präsidenten des Naturschutzbundes Österreich, Prof. DDr. Eberhard Stüber, am 15. 11. 09 im Naturhistorischen Museum Wien.

Als ich vergangenen Herbst von einem Mitarbeiter des NHM hörte, Generaldirektor Bernd Lötsch gehe bald in Pension, war ich schockiert. Der junge, kraftvolle und dynamische Lötsch kann doch noch nicht dieses Alter haben - oder sind die Jahre, in denen wir uns für die Erhaltung einer lebenswerten Umwelt stark machten, so schnell vergangen?

Wenn ich zurückdenke, war es etwa das Jahr 1970, als ich den jungen, eloquenten und stürmischen Universitätsassistenten Bernd Lötsch kennen lernte, wie er sich gegen das Brückenprojekt über den Neusiedler See engagierte und schon damals eine große Zahl von Menschen in seinen Bann zog.

Wir sollten ihn bald als einen vielseitig versierten Wissenschafter wie brillanten Redner und Vortragenden mit hoher Zivilcourage kennen lernen, der es verstand, mit pointierten oder auch scharfen Formulierungen und sonstigen Überraschungen die Zuhörer zu fesseln und für die gute Sache des Natur- und Umweltschutzes zu begeistern. Kein Wunder, dass gerade die Jugend zu ihm strömte. Spannend waren auch immer die Podiumsdiskussionen, wenn Lötsch einem Politiker oder einem Hardliner der Wirtschaft gegenüber saß. Durch seine Schlagfertigkeit und die fundierten Aussagen kam die andere Seite oft in arge Bedrängnis. Sein starkes Engagement für unsere Umwelt war ein Glücksfall für Österreich.

Ein weiterer Glücksfall war, dass der Naturschutzbund in dieser Zeit sein Institut für Naturschutz, welches sich im NHM befand, der Ludwig Boltzmann Gesellschaft für Wissenschaft und Forschung und später der Akademie der Wissenschaften übergab. Es wurde auf zwei Institute in Wien und Graz aufgeteilt und in Institut für Umweltwissenschaften und Naturschutz umbenannt. Da die Leitung neu zu vergeben war, lag es nahe, Lötsch für das Wiener Institut zu gewinnen, der auch zusagte und später noch den überaus tüchtigen Peter Weiß als Mitarbeiter engagierte. Dieses Institut war ca. 20 Jahre die Basis, von der Bernd Lötsch ausstrahlen und viele seiner Visionen verwirklichen konnte. Man könnte über diese Jahre mit vielen öffentlichen Auftritten, Diskussionen, turbulenten Auseinandersetzungen, aber auch großen Erfolgen ein spannendes Buch schreiben!

In diese Zeit fallen bedeutende Weichstellungen für die Zukunft, die große Breitenwirkung entfalteten: die "Naturschutztage" mit Zukunftsthemen, wie z.B. "Neue Ziele des Wachstums", "Der Ländliche Raum - Lebensgrundlage der Industriegesellschaft", "Städte zum Leben"), Initiativen zur "Stadtökologie" und zum "Urbanen Grün", jahrelange fachlich fundierte Aufklärung über die Gefahren der Kerntechnologie sowie der Einsatz gegen das geplante Atomkraftwerk Zwentendorf und gegen die Wiederaufarbeitungsanlage im bayerischen Grenzgebiet Wackersdorf.

Ein weiterer Schwerpunkt war das Bemühen um die Schaffung von Nationalparken in Österreich, verbunden mit einer langjährigen Konfrontation mit der damals kaum zugänglichen E-Wirtschaft. Ging es bei den Hohen Tauern um die Erhaltung der letzten Gletscherbäche im Norden und Süden des Gebirges, war es bei der Donau die Erhaltung der einzigartigen Aulandschaft und Wasserwildnis vor den Toren Wiens. Überall agierte Lötsch entweder federführend oder als unentbehrlicher Helfer. Wenn es auch in dieser Zeit manche Rückschläge gab, so überwogen doch, wie die Beispiele zeigen, große Erfolge.

Trotz mancher Gegnerschaft bei "Hardlinern" in Politik und Wirtschaft, gab es auch Politiker, die Lötsch schätzten. Wie etwa der damalige Wissenschaftsminister Busek, der sich vor 15 Jahren für die neu zu besetzende Stelle des Generaldirektors des NHM eine Persönlichkeit im Format von Lötsch wünschte. Die Jury, der auch ich angehörte, nominierte den Bewerber Lötsch an erste Stelle und so stand seiner Bestellung nichts mehr im Wege.

Das NHM hat in den vergangenen 15 Jahren durch Lötsch einen bedeutenden Schub nach vorne erhalten. Ihm gelang es, viele der ausgezeichneten hier beschäftigten Wissenschafter für seine Zielsetzungen zu gewinnen. Dadurch war es möglich, vorsintflutliche Verhältnisse zu beseitigen und uralte Darstellungsweisen in den Schauräumen bei Bewahrung des historischen Ambientes wirkungsvoll und zeitgemäß mit modernen Museumstechniken zu verändern. Ein Musterbeispiel für die richtige Balance zwischen historischem Ambiente und zeitgemäßen Erfordernissen sind z.B. der Insektensaal, der Ökologieraum und das Cafe in der Kuppelhalle. Die lebenden Tiere im schön gestalteten Vivarium, das Mikrotheater, die Exkursionsmöglichkeit auf das Dach des Hauses mit herrlichem Rundblick sowie die umfangreichen pädagogischen Programme sind weitere "Highlights" dieses Museums geworden.

Das NHM erhielt durch Lötsch auch einen Umweltschwerpunkt, wie man dies von einem Naturmuseum erwartet: Eine eigene ökologische Abteilung widmet sich heute den ökologischen Fragestellungen und betreut zugleich das von Lötsch geschaffene Nationalparkhaus der Jugend in den Donauauen.

Das NHM ist trotz Wahrung der Tradition durch Bernd Lötsch wieder ein Haus mit Ausstrahlung geworden, ein ökologisches Gewissen unseres Landes und ein Haus, auf das wir Österreicher stolz sein können.

Für Deine besonderen Verdienste um Bildung und Information im Natur- und Umweltschutz sowie in der Wissenschaft verleiht Dir der Naturschutzbund Österreich seine höchste Auszeichnung - den Österreichischen Naturschutzpreis - die Kupfermedaille mit der athenischen Eule als Symbol der Wachsamkeit, Klugheit und Wissenschaft, die Du als vielseitiger Künstler auch selbst entworfen hast.

 

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