Igel: Unsere stacheligen Freunde

Igel (Erinaceus europaeus) sind dämmerungs- und nachtaktive insektenfressende Winterschläfer. Aus ihren ursprünglichen Lebensräumen wurden sie verdrängt, deshalb sind sie, um überleben zu können, auf strukturreiche Gärten und Parks mit ausreichend Nahrung und geeigneten Winterquartieren angewiesen.

© Wilhelm Gailberger Piclease

Erwachsene Igel haben eine Körperlänge von 24 bis 28 cm. Ihr Gewicht beträgt zwischen 800 und 1.500 Gramm. Männchen sind im Allgemeinen schwerer als Weibchen. Ihre Schnauze ist rüsselförmig verlängert, Rücken und Kopfoberseite sind mit 6-8.000 Stacheln bedeckt, die Bauchseite ist behaart. Igel besitzen übrigens bereits bei der Geburt an die 100, zunächst in die aufgequollene Rückenhaut eingebettete, weiße Stacheln.

Der Westigel kommt nur in Europa vor: von Portugal, Spanien, Frankreich, Italien, Deutschland, Schweiz, Österreich, Slowenien, Großbritannien bis nach Skandinavien, Finnland, Baltikum und Polen. Künstliche Ansiedlungen gibt es auch in Neuseeland. Typisch für den Westigel ist der braune Brustfleck, durch den er sich vom Ost- oder Weißbrustigel unterscheidet. - In Österreich überlappen sich die Verbreitungsgebiete der beiden nahe verwandten Arten. Das ideale Revier des Igels ist leider immer seltener anzutreffen: struktur- und abwechslungsreiche Gebiete mit unterschiedlicher Vegetation. Hecken, hohes Gras, Büsche und Gehölz bieten Nistgelegenheit und vielfältige Nahrungsquelle.

Der Igel ist ein Nachttier und Einzelgänger. Tagsüber schläft er unter Büschen und in Hecken. Man findet ihn auch an Waldrändern, auf unbebautem Gelände in Städten, Parks, Sportplätzen und in Hausgärten. Der Igel hat eine feste Bindung an seinen Lebensraum. Von Oktober bis Mai hält der Igel Winterschlaf in einem Nest im Kompost, Heuhaufen oder unter Holzstapeln. Während des Winterschlafes zehrt er von seinen angefressenen Fettpolstern. Sinkt sein Gewicht unter 500g in dieser Zeit, verhungert der Igel. Der Winterschlaf wird nur gelegentlich von kurzen Phasen zur Nahrungssuche unterbrochen. Seine Nahrung besteht aus Regenwürmern, Schnecken, Raupen, Käfern oder auch Eiern und Jungvögeln von kleinen bodenbrütenden Arten. Der Igel mag auch Hunde- und Katzenfutter. Obst fressen Igel nicht, sie schlecken höchstens mal an überreifen, süßen, etwas fauligen Äpfeln, aber ernähren können sie sich davon nicht!

Droht dem Igel Gefahr, rollt er sich zu einer Kugel zusammen, wobei sich eine Muskelkappe unter der Rückenhaut zusammenzieht und wie ein Sack über den Körper stülpt. Seine spitzen Stacheln richten sich dabei auf und bilden einen wirksamen Schutz vor Angreifern.

Igel werden in der Natur durchschnittlich vier Jahre alt, allerdings überleben viele den ersten Winterschlaf nicht. Diese großen Verluste können allerdings durch eine hohe Reproduktionsrate wieder ausgeglichen werden.

Wegen der Verarmung der Landschaft durch oft intensive Land- und Forstwirtschaft (Düngung, Pestizide, Beseitigung von Kleinstrukturen wie Hecken) nehmen Igel Gärten und Parks gerne als Rückzugsgebiet an. Leider sind sie auch hier zahlreichen Gefahren ausgesetzt: Rasenmäher, Kunstdünger, Einsatz von Pestiziden (Entzug der Nahrungsgrundlage) sowie Aufräumwut gefährden den stachligen, aber nützlichen Gesellen. Sein Hauptfeind ist heute allerdings der Straßenverkehr, da Igel aufgrund ihres Stachelkleides, das sie vor natürlichen Feinden schützt, kein adäquates Fluchtverhalten entwickelt haben.

Igel sind auf der Roten Liste als gefährdet eingestuft, vor allem aufgrund von Lebensraumverlust ist ihr Bestand rückläufig. Igel sind durch EU-Recht und auch durch Landes-Naturschutzrecht geschützt.

Winter und Igel - verträgt sich das?

Jeder kennt sie - jeder mag sie. Deshalb geht es uns besonders nahe, wenn im Herbst noch sehr kleine Igel unterwegs sind. Der Naturschutzbund Österreich empfiehlt dennoch, Igel nur im Notfall (mit weniger als 500 g Gewicht) ins Haus zu nehmen und gibt Tipps, wie man den stacheligen Gesellen dennoch über den Winter helfen kann.
  • Solange es keinen Frost gibt, finden Igel genügend Nahrung wie Schnecken, Würmer und sonstige Köstlichkeiten. In dieser Zeit kann immer noch Gewicht zugelegt werden.
  • Finden die Igel nicht mehr genug Nahrung, kann man ihnen Katzenfutter anbieten. Um jedoch Katzen fern zu halten, sollte man es mit Haferflocken durchmischen oder durch eine Holzkiste schützen, die die Katzen fernhält und nur den Igeln Zutritt erlaubt.

  • Auch beim Bau der Igelburg für den Winter kann man die Tiere unterstützen - und damit auch die gefürchteten Wärmeverluste reduzieren: Wenn Laub und Äste im Garten nicht entsorgt, sondern in einer Ecke aufgeschichtet werden, nehmen Igel dieses Angebot gerne an.

  • Keinesfalls sollte man den Igeln Milch geben - sie bekommen davon Durchfall, der gerade in dieser Jahreszeit tödlich verlaufen kann.

 

Welche Igel brauchen menschliche Hilfe?

© Hans Glader
Es ist generell verboten, Tiere der besonders geschützten Arten - und dazu zählt der Igel - aus der Natur zu entnehmen. Gesetzliche Ausnahmebestimmungen (z. B. im § 31 (3) Salzburger Naturschutzgesetz) erlauben jedoch, kranke, verletzte oder sonst pflegebedürftige Tiere aufzuziehen bzw. gesund zu pflegen.
Hilfsbedürftig sind aus der Sicht von Pro Igel e. V.:
 
  • Verwaiste Igelsäuglinge:
    Igeljunge, die sich tagsüber außerhalb ihres Nestes befinden, noch geschlossene Augen und Ohren haben und sich womöglich kühl anfühlen, sind von der Mutter verlassen. Im Zweifelsfall Nest und Umgebung einige Stunden lang beobachten!
  • Verletzte Igel:
    Oft deuten schon Fundort und -umstände (Strasse, Bauarbeiten) auf Verletzungen hin. Tiere, die vermutlich tagelang in Gruben, Lichtschächten o.ä. ohne Wasser und Futter gefangen waren, brauchen ebenfalls Hilfe.
  • Kranke Igel:
    Man erkennt sie meist daran, dass sie tagsüber Futter suchen, herumlaufen, -torkeln oder -liegen. Auf kranken Igeln (wie auch auf Säuglingen und Verletzten) sitzen in der warmen Jahreszeit häufig Schmeissfliegen, die ihre Eier ablegen. Kranke Igel sind apathisch, rollen sich kaum ein, sind oft mager (Einbuchtung hinter dem Kopf, herausstehende Hüftknochen). Ihre Augen stehen nicht halbkugelig hervor, sie sind eingefallen, schlitzförmig.
  • Igel, die nach Wintereinbruch, d.h. bei Dauerfrost und/oder Schnee herumlaufen:
    Auch solche Igel findet man hauptsächlich bei Tag. Es kann sich um kranke oder schwache Alttiere handeln; öfter sind es Jungtiere, die spät geboren, evtl. auch krank sind und/oder sich wegen des geringen Nahrungsangebots im Spätherbst kein für den Winterschlaf ausreichendes Fettpolster anfressen konnten.
 
Weitere fachliche Auskünfte über Igel sind unter der Hotline (Tonbanddienst) von Pro Igel e. V. Tel. 0049/1805-555-9551 abrufbar. Homepage: www.proigel.de; Igel-Infos auch unter: www.inatura.at

Nach Ansicht des Naturschutzbundes hilft man Igeln - und damit vielen anderen Tieren - am besten damit, dass man ihnen einen naturnahen, strukturreichen, nicht allzu penibel aufgeräumten Garten mit entsprechenden Unterschlupfmöglichkeiten (Laub- und Reisighaufen) bietet.
 

So sieht der igelfreundliche Garten aus

Igel lieben naturnah gestaltete Gärten, die bewirtschaftet sind. Der Garten sollte also viele Elemente wie zum Beispiel Hecke, Obstbaum, Steinmauer, Wiese oder Teich beinhalten und auf Mineraldünger und chemische Bekämpfungsmittel wird natürlich verzichtet. Der „penibel sauber gehaltene“ Garten gefällt dem Igel gar nicht: der Rasen wird also nicht ständig gemäht, gedüngt und gewässert, die Hecke nur selten geschnitten, nicht jedes Kräutlein ausgerissen und auf Laubsauger verzichtet. Beim Abbrennen von Laubhaufen sollte man sehr vorsichtig sein und diesen vorher umsetzen. Ebenso ist beim Mähen, beim Aufräumen und Roden Vorsicht geboten: in Haufen und Holzstapeln könnten sich Igelnester befinden!

Igel brauchen im Garten Unterschlupfe und Verstecke wie Materialhütten, Wurzelwerk, Büsche, Trockenmauern, Hecken, Kompost-, Laub- und Reisighaufen. Dort verkriechen sie sich tagsüber oder legen ihre Igelburgen für den Winterschlaf an. Ergänzend können selbst gebaute Igelhäuschen angeboten werden, die mit Laub gefüllt werden. Einmal geschaffene Unterschlupfe während des Winterhalbjahres bitte nicht mehr umsetzen, da die schlafenden Tiere bei Störungen nicht reagieren und somit fliehen können.

Igel sind nachts sehr mobil und benötigen freien Zutritt zum Garten. Hermetisch abgeschlossene, kleinmaschige Zäune und Mauern sollten also vermieden oder für die kleinen Stacheltiere passierbar gemacht werden. Kellertreppen, Lichtschächte, Baugruben und Regensammelgefäße sind oft gefährliche Fallen für Igel und können ganz einfach abgedeckt werden. Seine Nahrung findet der Igel in Gebüschen, an Trockenmauern, unter Obstbäumen und auf Wiesen. Im nahrungsknappen Frühjahr und Herbst können jedoch zusätzliche Futterstellen (mit Igeltrockenfutter vermischtes Katzendosenfutter) hilfreich sein. Igel und viele andere Lebewesen profitieren von regelmäßig befüllten Vogeltränken, Blumenuntersetzern oder Gartenteichen. An tieferen Teichen und Wasserbecken kann man Rettungsplanken mit steilem, glattem Rand anbringen, damit sich Igel im Notfall selbst retten können.
 

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